Die Kurzfassung: Lasst es die ersten ein, zwei Tage auf Quitos 2.850 m ruhig angehen und steigert die Höhe dann in Stufen: der TelefériQo (rund 4.050 m) um Tag drei, danach eine Wanderung auf den Rucu Pichincha und ein Eingehgipfel, bevor ihr euch am Cotopaxi (5.897 m) versucht. Trinkt Wasser, verzichtet anfangs auf Alkohol und schlaft nie deutlich höher als am Vortag. Dieser Rhythmus, hoch steigen und tief schlafen, ist das ganze Geheimnis.
Quito ist eine der wenigen Großstädte der Welt, die zugleich als Akklimatisierungscamp funktioniert. Es gibt Restaurants, Apotheken, ein bequemes Bett und eine richtige Küche, alles auf einer Höhe, die euren Körper ganz nebenbei auf die Straße der Vulkane vorbereitet. Dieser Guide ist der Plan, den wir Trekker von unserem Balkon in San Juan aus verfolgen sehen.
Wie hoch ist was
Zahlen helfen beim Planen der Stufen. Das sind die Höhen, die rund um Quito zählen (gerundet auf die üblichen Angaben):
| Ort | Höhe |
|---|---|
| Quito (Stadt) / San Juan | ~2.850 m |
| TelefériQo-Bergstation (Cruz Loma) | ~4.050 m |
| Rucu Pichincha (Gipfel) | ≈4.696 m |
| Pasochoa (Eingehgipfel) | ~4.200 m |
| Corazón / Iliniza Norte (Eingehgipfel) | ~4.790 / 5.126 m |
| Cotopaxi | 5.897 m |
| Cayambe | 5.790 m |
| Antisana | 5.704 m |
| Chimborazo (Ecuadors höchster Berg) | 6.263 m |
So fühlt sich die Höhe wirklich an
Die meisten spüren Quitos Höhe innerhalb weniger Stunden nach der Landung. Die üblichen Zeichen leichter Höhenkrankheit (akute Bergkrankheit, AMS) sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, etwas weniger Appetit oder leichte Übelkeit, Kurzatmigkeit auf der Treppe und unruhiger Schlaf in der ersten Nacht. Es beginnt typischerweise 2 bis 12 Stunden nach der Ankunft und, das ist der entscheidende Punkt, es klingt meist innerhalb von 12 bis 48 Stunden wieder ab, solange ihr währenddessen nicht höher steigt.
Nichts davon bedeutet, dass etwas nicht stimmt. Euer Körper stellt sich nur auf die dünnere Luft ein. Der Fehler, den ihr vermeiden solltet: am ersten Tag direkt zur Seilbahn oder auf einen Gipfel zu stürmen, weil ihr euch beim Frühstück gut fühlt.
Die goldenen Regeln
- Hoch steigen, tief schlafen. Tagsüber dürft ihr hinauf; zum Schlafen geht es wieder nach unten. Erhöht die Schlafhöhe oberhalb von etwa 3.000 m möglichst um höchstens ~500 m pro Nacht.
- Gebt dem Körper Zeit. Ruht euch am ersten Tag aus. Macht erst die einfachen, tiefen Dinge (Altstadt, Café, Balkon), dann die hohen.
- Trinken, Alkohol reduzieren. Trinkt mehr Wasser als sonst und haltet euch in den ersten 48 Stunden bei Alkohol und schwerem Essen zurück.
- Hört auf einen stärker werdenden Kopfschmerz. Ein leichter Kopfschmerz, der mit Wasser und Ruhe nachlässt, ist normal. Einer, der beim Aufstieg schlimmer wird, ist das Signal, an diesem Tag auf weitere Höhe zu verzichten.
- Eingehen vor den großen Gipfeln. Macht den Cotopaxi zur Krönung eurer Touren, nie zur ersten. Bergführer erwarten Akklimatisierungstouren im Vorfeld und setzen sie oft voraus.
Der Tag-für-Tag-Plan ab Quito
Das ist ein vernünftiger Rahmen, wenn euer Ziel ein Berg über 5.000 m wie der Cotopaxi ist. Dehnt oder kürzt ihn passend zu eurer Reise und vor allem danach, wie ihr euch fühlt. Fürs Hetzen gibt es keinen Preis.
- Tag 1: ankommen und wenig vornehmen. Auf 2.850 m einleben, auspacken, etwas Einfaches kochen, durch die flachen Teile der Altstadt spazieren. Viel trinken. Früh ins Bett.
- Tag 2: gemütliches Sightseeing. Altstadt zu Fuß, die Basílica, ein Mirador. Noch immer kein großer Höhengewinn. Schaut, wie ihr geschlafen habt.
- Tag 3: die erste Höhe, der TelefériQo. Hinauf zur Cruz Loma (~4.050 m) und ein kurzer, langsamer Spaziergang über den Grat. Kehrt um, lange bevor ihr müde werdet. Geschlafen wird wieder unten in der Stadt.
- Tag 4: erholen. Lockerer Tag im Tal, Wäsche, ein Markt, Ruhe. Genau hier arbeitet das Prinzip hoch steigen, tief schlafen für euch.
- Tag 5: Rucu Pichincha. Von der Bergstation Richtung Gipfel (≈4.696 m). Ein voller Tag in der Höhe und ein Praxistest, wie gut ihr euch anpasst.
- Tag 6–7: ein Eingehgipfel. Pasochoa, Corazón oder Iliniza Norte mit Bergführer, um vor dem Hauptziel ~4.200–5.100 m zu erreichen.
- Ab Tag 8: Cotopaxi. Mit den Akklimatisierungstouren im Rücken seid ihr für die Gipfelnacht deutlich besser aufgestellt, und euer Veranstalter nimmt euch lieber mit.
TelefériQo und Rucu Pichincha in der Praxis
Der TelefériQo ist der einfachste Weg, in Stadtnähe echte Höhe zu spüren. Die Seilbahn steigt in etwa 18 Minuten von der Talstation auf rund 3.100 m zur Station Cruz Loma auf ungefähr 4.050 m.
- Öffnungszeiten: in der Regel montags bis donnerstags 09:00–19:00 Uhr, freitags bis sonntags ab 08:00 Uhr, letztes Ticket gegen 17:30 Uhr. Prüft vor dem Besuch die offizielle Website.
- Tickets: Hin- und Rückfahrt kosten für erwachsene ausländische Gäste zum Zeitpunkt der Recherche etwa 9 $ (Kinder und Senioren weniger); die aktuellen Preise stehen auf der offiziellen Website.
- Anfahrt: Von San Juan ist es eine kurze Fahrt mit Taxi oder Uber, ungefähr 3–4 $ und etwa 15 Minuten.
- Rucu Pichincha: Von der Bergstation braucht ihr für den Auf- und Abstieg zum Gipfel meist rund 5 bis 6 Stunden. Startet vor 11:00 Uhr, bevor die Nachmittagswolken kommen, nehmt Wasser, Sonnenschutz und eine warme Schicht mit, und kehrt um, wenn das Wetter zuzieht oder die Höhe zusetzt.
Wann ihr abbrechen und Hilfe holen solltet
Leichte AMS ist häufig und vergeht von selbst. Die seltenen, ernsten Formen verlangen dagegen sofortiges Handeln. Steigt umgehend ab und sucht medizinische Hilfe, wenn bei euch oder jemandem in eurer Gruppe eines davon auftritt:
- Verwirrtheit, ungewöhnliches Verhalten oder Koordinationsverlust (keine gerade Linie mehr gehen können)
- Atemnot in Ruhe, anhaltender Husten oder Engegefühl in der Brust
- Starke Kopfschmerzen, die auf Ruhe und Flüssigkeit nicht ansprechen, zusammen mit wiederholtem Erbrechen
Das können Zeichen eines Höhenhirn- oder Höhenlungenödems (HACE/HAPE) sein, beides medizinische Notfälle. Die mit Abstand wirksamste Behandlung ist der Abstieg. Quito hat gute Krankenhäuser und Apotheken, ein Grund mehr, warum es sich hier so beruhigt akklimatisieren lässt. Dieser Guide ist allgemeine Information von euren Gastgebern und ersetzt keinen medizinischen Rat; bei Herz- oder Lungenerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei anderen Bedenken sprecht vor der Reise mit einer reisemedizinischen Praxis.
Warum Quito als Basis, und warum hier
In einem bequemen Apartment akklimatisiert es sich besser als in einer kargen Berghütte. In der Perla de la Montaña schlaft ihr jede Nacht auf den nützlichen 2.850 m, kocht die leichten, kohlenhydratreichen Mahlzeiten, die in der Höhe guttun, trocknet eure Trekking-Ausrüstung zwischen den Touren und ruht euch in einem dunklen, kühlen Schlafzimmer richtig aus. TelefériQo und Ausgangspunkte sind eine kurze Fahrt entfernt, und wenn es zu den Vulkanen geht, holt euch der Pick-up des Bergführers direkt an der Tür ab.
Und wenn das Klettern geschafft ist, funktioniert dieselbe Basis für den Rest von Ecuador. Schaut in unsere Tagesausflüge von Quito für Cotopaxi, Quilotoa und mehr, oder in den Galápagos-Zwischenstopp-Guide, wenn als Nächstes die Inseln anstehen.
Häufige Fragen
Wie viele Tage Akklimatisierung braucht man in Quito vor dem Cotopaxi?
Plant mindestens zwei bis drei Nächte auf Quitos Höhe (2.850 m) ein und, ganz wichtig, mindestens zwei Akklimatisierungstouren auf etwa 4.000–5.000 m, bevor ihr einen Gipfelversuch am Cotopaxi startet. Viele Bergführer am Cotopaxi nehmen keine Gäste mit, die vorher keine Eingehtouren gemacht haben. Eine bewährte Abfolge ist Rucu Pichincha, dann ein Gipfel wie Pasochoa, Corazón oder Iliniza Norte, dann Cotopaxi.
Wie hoch liegt Quito?
Quito liegt auf etwa 2.850 m (9.350 ft) und ist damit nach La Paz die zweithöchste Hauptstadt der Welt. San Juan, am Hang über der Altstadt, liegt mit rund 2.850–2.890 m noch ein Stück höher.
Reicht Quitos Höhe aus, um höhenkrank zu werden?
Ja. Leichte Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Müdigkeit, etwas Kurzatmigkeit oder unruhiger Schlaf in der ersten Nacht) ist auf 2.850 m verbreitet und legt sich meist innerhalb von 12–48 Stunden, wenn ihr es ruhig angeht und nicht höher steigt. Ernste Höhenkrankheit ist auf Quitos Höhe selten, das Risiko steigt aber schnell, sobald es zum TelefériQo, auf den Rucu Pichincha oder zu den Vulkanen hinaufgeht.
Kann ich am ersten Tag mit dem TelefériQo hochfahren?
Wartet besser bis Tag zwei oder drei. Die Bergstation liegt auf rund 4.050 m, deutlich über der Stadt, und direkt am Ankunftstag hinaufzufahren ist der schnellste Weg zu Kopfschmerzen. Wenn ihr fahrt: Wasser trinken, langsam gehen und umkehren, sobald ihr euch unwohl fühlt.
Hilft Coca-Tee gegen die Höhe?
Coca-Tee (Mate de Coca) ist ein traditionelles Anden-Hausmittel und viele Reisende mögen ihn, er ersetzt aber keine richtige Akklimatisierung. Was wirklich hilft: langsam aufsteigen, den ersten Tag ausruhen, viel Wasser trinken und mit Alkohol zurückhaltend sein.
Sollte ich für Quito Diamox (Acetazolamid) nehmen?
Das entscheidet ihr am besten vor der Reise gemeinsam mit einem Arzt, abhängig von eurer Gesundheit und eurer Route. Viele Bergsteiger mit Zielen über 5.000 m besprechen das mit einer reisemedizinischen Praxis. Wir sind Gastgeber und keine Mediziner, deshalb raten wir weder zu noch ab und empfehlen euch nur, Fachleute zu fragen.